Liebesbrief an meinen Körper

Die Blogparade von Sandra Hoppenz hüpfte mitten in mein Herz. Ein wunderschönes Thema und eine großartige Gelegenheit, Danke zu sagen. Mein Körper, dein Körper, jeder Körper ist ein einzigartiges Wunderwerk, und es ist gut sich dessen immer wieder bewusst zu sein und darum schreibe ich heute diesen Liebesbrief an meinen Körper.

Mein lieber und einziger Körper

Schon mehr als 5 Jahrzehnte gehen wir gemeinsam durchs Leben und du bietest mir ein Zuhause. Wir haben Höhen und Tiefen erlebt, manchmal hab ich dich übergangen und trotzdem warst du mir immer treu und hast das Beste aus jeder Situation gemacht. Das rechne ich dir wirklich hoch an, denn nicht immer war ich nur lieb zu dir.

Du hast mit mir schon einiges erlebt, hast mit mir schon jede Menge Erfahrungen gemacht und mir viele Fehler verziehen. Immer wieder hast du mich gelehrt innezuhalten, in dich zu lauschen und deine Signale ernst zu nehmen.

Weißt du noch als wir klein waren, wir hatten jede Menge Freiheiten und Spaß. Wir kletterten auf Bäume, liefen über den gefrorenen See, hörten das Eis knacksen und fürchteten uns einzubrechen. Wir spielten mit Murmeln auf der Straße und waren den ganzen Tag draußen unterwegs. Niemand hat uns gestört, kein Fernseher, kein Handy, eigentlich hatten wir nur uns und wir haben mit anderen Kindern aus dem Dorf Abenteuer gesucht und gefunden. Wir hatten eine wunderschöne Kindheit.

Endlich Schule

Dann endlich durften wir zur Schule und auch das war sehr aufregend, ein täglicher Fußmarsch von 3 Kilometer in eine Richtung, bei jedem Wetter, es gab keinen Schulbus und im Winter hatten wir von Oktober bis April durchgehend Schnee und Kälte. Wir haben uns nie beklagt, wir kannten auch nichts anderes, es war ganz normal und der Schulweg war sowieso das spannendste, ein Weg voller Abenteuer.

Die Pubertät

Dann kam die Pubertät und ich habe mich gar nicht wohlgefühlt in dir und mit meinem Aussehen gehadert. Ich fühlte mich viel zu groß und zu dünn, man hänselt mich Solettistange und ich hasste meine Sommersprossen. Mit den pubertären Veränderungen wollte ich eigentlich nichts zu tun haben, ich war launisch und kannte mich mit dir nicht aus. Am Tag meiner Firmung kam dann auch noch meine erste Monatsblutung und ich war, weil unaufgeklärt, einfach nur entsetzt, hatte Bauchschmerzen und ich wollte das alles nicht. Das Bluten zu akzeptieren fiel mir nicht leicht, leider haben wir wenig Unterstützung und Zuspruch erfahren.

Sturm und Drang

Schon in frühen Jahren hatte ich den Drang auszubrechen, die Welt zu sehen, das Leben zu schmecken, das unbekannte erobern und du hast mit mir so manche Abenteuer mitgemacht. Per Autostopp nach Venedig oder Genua, schlafen auf Stränden, oder auf Bahnhöfen, ich liebte das Unbekannte. Ein Jahr in Texas, mit dem Jugendzug nach Russland, verlieben am roten Platz und gleich nach der Matura auf nach Spanien als Au-pair. Ich hab nicht besonders auf dich geachtet, du warst einfach da, hast mich überall hin getragen und dich nicht beschwert. Ich denke das ich immer wieder über deine Grenzen gegangen bin, dich gar nicht so gespürt habe, dafür mochte ich danke sagen, dass du mir verziehen hast.

Der Unfall

19. August 1984. Es war zu heiß für einen Helm, damals gab es noch keine Helmpflicht. Die tiefliegende Abendsonne hat ihn geblendet, er hat mich nicht gesehen, ich bin auf dem Moped geradeaus gefahren, der Motorradfahrer ist links abgebogen und in uns hineingefahren. Wir hatten einen unfreiwilligen Höhenflug, der mit einem doppelten Schädelbasisbruch endete. Dem folgte ein langer Krankenhausaufenthalt, teilweise ohne Bewusstsein, und dann wieder mit heftigen Schmerzen.

Immer wieder hab ich mich gefragt, wie wäre es wohl ausgegangen, hätte ich den Helm aufgehabt. Wäre nichts passiert oder eventuell ein Genickbruch? Beides ist denkbar, darum weiß ich nicht, ob ich mich bei dir entschuldigen soll, dafür, dass der Helm vor der Haustür geblieben ist? Du warst großartig und hast alles getan, dass wir ohne bleibenden Schäden weiter leben können, denn das war lange nicht klar. Ohne deiner Stärke und deiner Selbstheilungskräfte hätte es anders ausgehen können. Meine Dankbarkeit ist unendlich groß und meine Liebe zu dir wurde mir damals erstmals bewusst.

Schwangerschaften und Geburten

Wir waren eigentlich noch sehr jung, 21 Jahre und haben es drauf ankommen lassen, oder es sollte einfach so sein. Du hast die Schwangerschaft mit einer Entschiedenheit und Freude angenommen, so dass ich keinen Moment dran gezweifelt hab, ob das jetzt in meinen Lebensplan passt oder nicht. Bald schon war auch klar, dieses Kind werde ich alleine großziehen. Ich empfand es von Anfang an als Geschenk und mit diesem Geschenk kam sehr viel Neues in mein Leben. Ich lauschte plötzlich in mich hinein, nahm jede Regung in mir wahr, war voller Verantwortung dir gegenüber. Wollte alles tun, damit du deinen Job gut machst und das Baby in meinem Bauch gut versorgst?

Du hast alles gegeben, damit er sich gut entwickelt, und gut auf die Welt kommt. Dafür danke ich dir und es erfüllt mich immer noch mit Staunen und Demut, dass es möglich ist, aus einem Samen und einer Eizelle einen Menschen in sich heranwachsen zu lassen. Und dann die Geburt, was für ein kraftvolles Erlebnis. Du hast dich der Wehenflut hingegeben und in kurzer Zeit und aus eigener Kraft das Baby herausgeschoben. So schnell, so großartig, ich hatte sofort gewusst“ Ich möchte Hebamme werden“. Danke dir dafür, dass du mir dieses Geschenk gemacht hast, mein Baby so archaisch und kraftvoll zu gebären.

Kinderwunsch

18 Jahre später und nach einem langen sehnsuchtsvollen Kinderwunsch durfte ich es nochmals erleben. Du hast dich dankenswerterweise nochmals drauf eingelassen. Es war eine andere Situation, ich weiß, du warst eigentlich schon müde, und wusstest nicht, ob du es schaffst. Immerhin waren zwischen meiner ersten Geburt und dem Kinderwunsch viel passiert und ich hab dich nicht geschont. Wir hatten ein anstrengendes, unregelmäßiges Leben. Ich hab nach der Geburt sehr viel erreichen wollen, und das oft um jeden Preis. Nach der Ausbildung zur Hebamme hatte ich oft eine 60-Stunden-Woche. In Kombination mit vielen Nachtdiensten war es tatsächlich ein Raubbau an deiner Substanz.

Ich glaube, du konntest dich einfach nicht auf eine weitere Schwangerschaft einlassen, bis ich dich wahrgenommen hab und wieder im Dialog war mit dir. Der Wunsch nach einem zweiten Baby war so groß, aber auch deine Erschöpfung war groß. Ich wusste, ich muss mich, zuerst um dich kümmern, damit du zu Kräften kommst. Du alles hast, das du brauchst, damit sich ein Baby einnisten kann und gut entwickeln kann. Es hat geklappt, nach 5 Jahren Kinderwunsch warst du so weit und konntest dich auf eine zweite Schwangerschaft einlassen. Und die Geburt von meiner Tochter war eine wunderschöne Hausgeburt. Du hast mich keinen Moment daran zweifeln lassen, dass wir es schaffen, obwohl wir schon 40+ waren.

Zwei Schwangerschaften, zwei Geburten, zweimal hast du genügend Milch produziert, dass ich meine Kinder stillen konnte.

Danke

Das ist ein offener Brief, denn ich weiß, ich werde noch vieles hinzufügen in den nächsten Jahren. Ich möchte dich ehren und verwöhnen und alles tun, damit du und ich weiterhin ein so tolles und gesundes Paar bleiben.

Danke dir mein lieber Körper, ich möchte unbedingt mit dir alt werden und gesund bleiben.🤸‍♀️

Ich liebe dich 💖

deine Monika


Hallo, ich bin Monika

Als Hebamme und integrative Ernährungsexpertin begleite ich dich vom Kinderwunsch zum Babyglück. Mein Herzensthema ist es, Frauen zu stärken und allen Babys einen guten Start ins Leben zu ermöglichen.

In der Schwangerschaft werden die Weichen für die Gesundheit deines Kindes gesetzt. Die Ernährung ist dabei ein wichtiger Baustein für deine glückliche, gesunde Schwangerschaft und für einen guten Start in das Leben für dein Baby.

Mehr über mich erfährst du HIER

2 Responses

  1. Liebe Monika…. wow… Danke für diesen wundervollen Beitrag. Danke, dass du Teil meiner Blogparade bist. Und Danke, dass du mir die Idee gibst, auch meinen Liebesbrief an meinen Körper als offenen Liebesbrief zu betrachten. Herzensumarmung 💚 Sandra

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